Richtig gelesen, ich hoste einen eigenen E-Mailserver für meine privaten Domains. Da ich keinen Anbieter finden konnte der zu vernünftigen Preisen einen bezahlbaren Tarif zur Verfügung gestellt hat, habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen.
Folgende Kriterien sollte der Tarif enthalten, damit ich diesen als brauchbar betrachtet hätte:

  • Sollte bezahlbar sein
  • Sollte mehrere Adressen / Nutzer anbieten
  • Sollte externe Domains Einbinden können
  • Sollte einfach nutzbar sein

Ich konnte zwar einige Anbieter finden die zumindest die letzten beiden Punkte gut hinbekamen aber die ersten beiden Punkte waren für mich das entscheidende. Und da war es nun einmal so: Entweder bezahlbar und nur ein Nutzer oder mehrere Nutzer und unverschämt teuer. Also ging es los mit der Suche nach einer Open-Source Lösung für einen eigenen Server.

Bei dieser Suche fand ich viele Blogartikel, die dazu rieten es erst gar nicht zu versuchen, zu behaupten, dass es sich um eine schlechte Idee handelt oder Artikel die dann die Hardcore variante verwendet haben mit z.B Mailserver auf einem frischen Debian Server über konfigurations Dateien zu installieren. Natürlich, die letzte Variante funktioniert ganz sicher, aber ich wollte dann schon das es auch irgendwie einfach zu installieren und bedienen ist.

Mailcow Logo

In einem Artikel bin ich dann auf Mailcow gestoßen: Eine Mailserver Lösung verpackt in Docker mit grafischer Oberfläche und vielen zusätzlichen Funktionen oben drauf. Auf GitHub sah das Projekt sehr lebendig aus, die Dokumentation war einfach und verständlich. Das erstmalige konfigurieren und starten des Mailservers war ein Kinderspiel und schnell waren erste Ergebnisse zu sehen. Und damit fing dann erst recht der Spaß an.

Als nächstes hieß es eine Domain mit dem Server zu verbinden und so einzurichten das man E-Mails versenden und empfangen kann, ohne das andere E-Mail Anbieter einen für Spam halten oder die E-Mails direkt ablehnen.
Dies gestaltet sich in Mailcow sehr einfach: Domain in einem grafischen Menü einfügen und die dann generierten und strukturiert angezeigten Werte in die DNS Zone der Domain einfügen. Dabei denkt Mailcow an alles, was später benötigt wird, um nicht als Spam eingestuft zu werden, SPF, DMARC, DKIM Keys und reverse Einträge. Und obendrauf gibt es noch die passenden DNS Records für Autodiscovery in E-Mailclients eingerichtet.
Zu vielen dieser Punkte gibt es auch Links zu passenden Dokumentationen und Generatoren.

Ist alles eingerichtet, zeigt Mailcow auch gleich an, ob die DNS Einträge alle richtig gesetzt sind und zeigt dies mit einem grünen Häckchen verständlich an.

In der Oberfläche lässt sich so gut wie alles Konfigurieren was da Herz begehrt, Aliase, Umleitungen, Filter, Spam Schutz, sowie die Ressourcen die ein Postfach belegen darf. Auch ein Web Mail Client ist integriert, sodass man jeder Zeit und überall an seine E-Mails kommt.

Und wem dass noch nicht genug Argumente sind, kann Mailcow auch als OAuth Provider genutzt werden.

Nach nun fast einem halben Jahr im Einsatz bin ich vollstens zufrieden, und bereue es nicht im geringsten meinen eigenen Mail-Server zu betreiben. Auch mithilfe von Mailcow ist es mir gelungen in fast allen Mailprovidern, nicht als Spam markiert zu werden. Der einzige Provider der mir immer noch Probleme macht, ist Microsoft, die es wohl mit Spam Schutz etwas genauer nehmen als alle anderen.

Für jeden der es selber gerne einmal Probieren möchte, wird hier fündig:

  • Mailcow Dokumentation: https://mailcow.github.io/mailcow-dockerized-docs/
  • Zum Testen: https://www.mail-tester.com/